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Hufrehe

Hier ein paar typische Bilder von chronischer Hufrehe:







Das obere Bild ist von einem Pony, das außer kurzen Spaziergängen nicht bewegt wird und die meiste Zeit auf einer kleinen Koppel oder in der Box verbringt.
Die unteren beiden Bilder stammen von einem Pferd, das ganz normal geritten wird.
Die krankhafte Form der Hufe wird von den Besitzern zwar erkannt, aber "es läuft doch". Der Zustand wird als unvermeidbar angesehen.
Die Hufeisen halten das Pferd weitestgehend schmerzfrei - trotz der massiven und chronischen Rehe, deren Heilung leider durch eben das schmerzlindernde Hufeisen leider verhindert oder zumindest stark eingeschränkt wird.

Doch was ist Hufrehe?

Hufrehe wird ausgelöst durch eine krankhafte Minderdurchblutung der Huflederhaut, das ist der Bestandteil, der das Hufhorn wachsen lässt und an den inneren Strukturen festhält.

Durch diese Mangeldurchblutung sterben Zellen ab und es entstehen Entzündungen in der weißen Linie, die ihre Funktion nicht mehr voll erfüllen kann, gezerrt wird und dann anfängt zu "wuchern" und immer breiter zu werden.
Dadurch kann die Hufform so verändert werden, dass das Hufbein schließlich abgesenkt und womöglich sogar "rotiert", also auf den Spitz gestellt wird.

Immer noch wird von vielen Hufexperten und Tierärzten behauptet, dass diese Rotation durch Zugkräfte der tiefen Beugesehne verursacht wird, sowie durch das Gewicht des Pferdes, das das "im Huf aufgehängte" Hufbein nach unten sacken ließe.

Das ist natürlich völlig haltlos und auch längst überholt.
Das Hufbein "hängt" nicht in der Hufkapsel.
Auch ist keine Sehne daran beteiligt, wenn das Hufbein seine Lage verändert.
Dies zeigt folgendes Video auf sehr einfach und anschauliche Weise:



Man sieht deutlich: Würde die Sehne wirklich das Hufbein "drehen", dann würde eben das Gewicht des Pferdes dieses sofort wieder in eine bodenparallele Position bringen - nur eben tiefer im Huf.
Es gäbe keine Hufbeinrotation und keine sich ablösenden Wände.

Diese Wandverformung entsteht vielmehr dadurch, dass der Druck an der Zehe die Hufwand wegdrückt. Die minderdurchblutete bzw. durch Entzündung geschwächte Lamellenschicht (weiße Linie), die die Hufwand am Hufbein hält, kann nun ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, wird auseinandergezogen - was natürlich die Entzündung und Reizung noch verstärkt - und so entsteht diese keilförmig vom Hufbein weggezogene Wand.
Das verändert die Hufform dermaßen, dass das Hufbein nicht mehr bodenparallel steht, sondern rotiert - von der Wand abgelöst.

Leider versuchen immer noch viele Schmiede und Hufbearbeiter, die "zu flach" erscheinde Form des Hufes "aufzurichten", indem sie bewußt die Trachten erhöhen, durch Keile oder "hinzüchten".
Wenn man Röntgenbilder oder Präparate betrachtet, wird ganz schnell klar, dass diese Maßnahmen alles nur verschlimmern!



Was verursacht Hufrehe?

Die Mangeldurchblutung in der Huflederhaut hat viele verschiedene mögliche Ursachen, so dass es oft nicht ganz einfach ist, die tatsächliche Ursache im Einzelfall abzugrenzen und abzustellen.
Oft kommen auch mehrere Ursachen zusammen.

Die verschiedenen Auslöser können sein:

Überbelastung des Hufes-> Belastungsrehe.
zB. ungewohnt langes Laufen auf harten Böden, heftiger Galopp auf Teer oder durch Überlastung eines Hufes z. B. nach der Ruhigstellung des gegenüber liegenden Beines.
Auch lange Stehphasen können aufgrund der dadurch ausgelösten Störung der Blutzirkulation zu einer Rehe führen („Stallrehe“).
Außerdem können verbogene Wände die Huflederhaut quetschen und zu Einblutungen führen. Diese Flüssigkeitsansammlung im Hufinneren kann nicht ausweichen und drückt auf die Huflederhaut was auch wieder die Durchblutung stört.
Zu lang am Huf gelassene oder unpassende Hufeisen können ebenfalls eine Belastungsrehe auslösen.

falsche Fütterung -> Futterrehe.
Dies ist die bekannteste Hufrehe und entsteht oft zB im Frühling durch unsachgemäßes Anweiden:
Eine zu eiweißhaltige Nahrung führt zu einer explosionsartigen Vermehrung der Streptokokken (kohlenhydratspaltenden Bakterien) im Dickdarm und zu einer massiven Freisetzung von Milchsäure. Diese verursacht ein Massensterben der rohfaserverdauenden Bakterien und eine Freisetzung von Giftstoffen (Endotoxine) und eine Übersäuerung im gesamten Organismus.
Nicht direkt der hohe Eiweißanteil des jungen Grases ist also schuld - sondern das dadurch verursachte Massensterben der Darmbakterien, die noch nicht daran gewöhnt waren.
Vorbeugend muss also langsam angeweidet werden - so dass eine Gewöhnung stattfindet. Dann macht auch hoher Eiweißgehalt keine Hufrehe.

Ein anderer Faktor ist nicht zu unterschätzen: Das Fruktan, das in Gras enthalten ist. Kann das Gras aufgrund niedriger Temperaturen nicht wachsen, zB im Frühling oder Herbst, bekommt aber genug Sonne, bildet sich Fruktan in großen Mengen, was wieder für die Pferde schädlich ist und Hufrehe auslösen kann.

Außer bei zu heftigem Anweiden ist also für Hufreher der Auslöser nicht das Eiweiß, sondern der Zucker.

Ein Verbleiben von Kleinstteilen der Nachgeburt in der Gebärmutter -> Geburtsrehe.
Hierbei kommt es zu einer bakteriellen Zersetzung und der Aufnahme von Endotoxinen in die Blutbahn.

Vergiftung ->Vergiftungsrehe.
Vergiftungen können entstehen bei Aufnahme von Giftpflanzen wie z. B. Wicken, Robinie, Rizinus und (größere Mengen an) Eicheln sowie durch Herbizide, Fungizide, Pestizide, Schimmelpilze, Pilzsporen und Schlangenbiss.
Gelegentlich sind aber auch Impfungen und Wurmkuren die Auslöser einer Vergiftungsrehe, wenn ein massiver Parasitenbefall vorlag und große Parasitenzahlen absterben. Hier besteht eine Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen.
Aber auch zB eine Gebärmuttervereiterung oder andere größere Eiterherde im Pferdekörper können zu einer Vergiftungsrehe führen.

Bestimmte Medikamente -> Medikamentenrehe. Unter besonderem Verdacht stehen Cortisonpräparate.

Verschiedene Stoffwechselerkrankungen oder Hormonstörungen -> Rehe als Folge- oder Begleitkrankheit beim Cushing-Syndrom, Schilddrüsenerkrankungen, Zyklusstörungen der Stute (Dauerrosse oder ausbleibende Rosse), Koliken (Vergiftung durch Dickdarmgärung) und Darmentzündung infolge von Durchfallerkrankungen sowie als Folge einer Hyperlipidämie (erhöhte Blutfette) oder Kreuzverschlags.

Auch Strom- oder Blitzschlag können eine lokale Entzündung und damit eine Rehe hervorrufen.

Die Symptome bei akuter Hufrehe:

Eine besondere Stellung des Pferdes, bei der die betroffenen Beine möglichst entlastet werden bzw. das Gewicht auf die Ballen verlagert wird, um die Zehen zu entlasten -> Rehestellung.



Lahmheit, wobei die Füße möglichst weit vorne abgesetzt werden und dann nicht locker abfußen, sondern nach einem verkürzten Schritt wieder nach vorne geholt werden. In dieser Phase ist ein "Einknicken" der Schulter zu beobachten, da der Zeitpunkt des Abfußens die Zehe belastet und dadurch Schmerzen verursacht.

Die Hufe sind durch die Entzündung meist warm bis heiß (nicht zu verwechseln, wenn die Sonne sie aufgewärmt hat, oder mit der gesunden "Handwärme" des normal durchbluteten Hufes). Ein Puls ist innen am Fesselkopf zu tasten.


Die akute Rehe wird in vier Stufen eingeteilt:

    * Grad 1: In der Ruhe hebt das Pferd die Hufe ständig abwechselnd. Im Schritt ist keine Lahmheit zu erkennen, im Trab ist der Gang kurz und steif. Hufeisen können die Symptome völlig ausschalten.

    * Grad 2: Die Pferde gehen im Schritt zwar willig, aber steif vorwärts. Das Aufheben eines Fußes ist ohne Schwierigkeiten möglich. Hufeisen können die Symptome weitestgehend überdecken.

    * Grad 3: Das Pferd bewegt sich äußerst widerwillig und wehrt sich heftig gegen den Versuch, einen Fuß aufzuheben. Hufeisen können die Symptome kaum verringern.

    * Grad 4: Das Pferd weigert sich, sich zu bewegen. Es ist nur durch Zwang zum Laufen zu bringen. Eventuell wird auch das Fressen durch zu große Schmerzen eingestellt. Die meisten Pferde liegen dann nur noch. Hufeisen können die Symptome praktisch nicht mehr verringern.

Wichtig ist, dass Hufeisen zwar in den geringeren Graden eine normale Nutzung des Pferdes gewährleisten können, jedoch die Krankheit nicht verbessern. Hufeisen verringern die Durchblutung noch stärker und verhindern eine Heilung äußerst effektiv.


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