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Ravenna

Warmblutstute, ca 19 Jahre alt, leidenschaftliches Springpferd und sehr arbeitsfreudig, jedoch etwas nervös, so dass sie nicht lang am Turniergeschehen teilnahm.
Wahrscheinlich schon das ganze Leben beschlagen, jahrelang auch hinten, aber in letzter Zeit nur noch vorne.

Vorgeschichte:

Ravenna zeigte vor etwa 3-4 Jahren immer mal wieder Lahmheiten vorne rechts. Es wurde mit Schall und Spritzen, sowie absoluter Boxenruhe therapiert, was auch jedesmal gut anschlug. Nach wenigen Monaten kam die Lahmheit jedoch immer wieder.
Nach und nach wurden die guten Zeiten immer kürzer und die Lahmheit verschlimmerte sich.
Als Ursache wurde Fesselträgerentzündung diagnostiziert.

Etwa 2 Jahre bevor ich Ravenna kennenlernte, hatte sich der Zustand so verschlechtert, dass sie praktisch nur noch in der Box stand. Sie konnte trotz des Spezialbeschlages, der die Sehne entlasten sollte, nicht mehr geritten werden, durfte nicht mehr raus, keine Weide, keine Pferdegesellschaft, absolutes Stehen...

Die Sehnenentzündung war chronisch geworden, Ravenna lahmte stark.



Durch Zufall kam ich zur Besitzerin, bemerkte eine Fehlstellung der Hufe und schlug vor, daran durch NHC etwas zu ändern - vielleicht würde ihre Lahmheit dadurch gelindert?

Die traurige Aussage der Besitzerin war: 
"Egal, was du machst, es kann ja nimmer schlimmer werden, also versuche das doch mal mit den Hufen..."

Als ich Ravenna laufen sah, humpelte sie extrem. Sie vermied es, den rechten Huf auf den Boden zu setzen, berührte nur mit der äußeren Spitze des Hufes den Boden, verkürzte den Schritt deutlich und fiel stark auf die linke Schulter.

Auch die Hinterbeine waren in Mitleidenschaft gezogen, das linke Hinterbein war steif und zeigte eine sehr schlechte Beugeprobe - also vermute ich Spat. Beim Auffußen "eierte" sie stark und die Gelenke wackelten seitlich hin und her.

Beim Laufen knackten sie deutlich.

Leider gibt es keine Röntgenbilder und keine Spatdiagnose des Tierarztes.

Nun zur Bearbeitung:
Ich bin nicht langsam vorgegangen, da ich der Meinung war, jeder Tag Verzögerung könnte einer zu viel sein.

Also korrigierte ich ihre Hufe nach dem Motto: Jetzt oder nie.

Wir brauchten keine Bedenken haben, ob sie nachher fühlig laufen würde, oder ob wir vielleicht eine Sehne überbelasten könnten.
Sie lief sowieso nicht - und die andere Option war der Schlachter.

Hier die Bilder von der ersten Bearbeitung:


Gangbild:
Man sieht deutlich, wie das Eisen die Hufbalance gravierend stört, die Standfläche verkürzt und in Richtung Zehe verlagert.
Man beachte, dass der Stift im hinteren Teil des Hufeisens den Boden NICHT berührt, obwohl Ravenna mit vollem Gewicht auf diesem Huf steht.
Es war auffällig, dass Ravenna den Huf niemals vollständig auf den Boden setzte:
Beim Auffußen berrührte sie den Boden zuerst mit der äußeren Zehenspitze, kippte dann bei der Belastung über die rechte Seite des Hufes auf den vorderen Teil des Hufes ohne die Trachten je auf den Boden zu bringen und fußte wieder mit der äußeren Spitze ab.

Es machte den Anschein einer starken Sehnenverkürzung, da sie auch, wenn der andere Fuß hochgehoben war, die Trachten nur minimal tiefer brachte - dann schienen sie den Boden gerade so zu berühren und sie hatte deutlich Schmerzen.

Der Huf:
Die Fessel-Huf-Achse ist gebrochen, das Hufbein ist dadurch mit dem Spitz nach unten gedreht.
Beides hat sich sofort nach der Bearbeitung nach "Natural Hoof Trim" gegeben. Das Hufbein hat seine naturgewollte Bodenparalellität wieder, Trachtenhöhe und Zehenwinkel stimmen wieder einigermaßen und die Standfläche hat sich deutlich vergrößert und nach hinten verschoben, was die Sehnen entlastet.
Sofort stellte sich Ravenna auf den ganzen Huf.

von unten:

Die schmale Strahlfurche zeigt einen Befall mit Strahlpilz, und evtl Strahlfäule, was nebenbei behandelt wurde.
Außerdem hat sie Trachtenzwang und die Trachten waren vor der Bearbeitung ungleich lang.

Ravenna lief sofort nach der Bearbeitung deutlich besser und belastete nun während der Stützphase die Trachten - berührte aber immer noch mit der Zehe den Boden zuerst.

Allerdings war sie natürlich wie zu erwarten stark fühlig. Deshalb "verschrieb" ich ihr, auf weichem Boden so viel wie möglich bewegt zu werden, aber auch regelmäßig über härteren zu gehen.
Außerdem solle sie Ingwer bekommen - für die Gelenke und gegen die Artrose im Hinterbein.


Zwei Monate später...
Sie fußt nun gerade auf und ab, die Hinterbeine schwingen gerade und entspannt nach vorne.
Das wird auch weitherhin die Artrose in den Sprunggelenken lindern, die sich sogar schon jetzt deutlich gebessert hat.



Ravenna entwickelte auf dem rechten Vorderhuf ziemlich schnell sehr hohe Trachten.
Dies hat meiner Meinung nach verschiedene Gründe:
1. ist wohl die Sehne durch die jahrelange Entzündung verkürzt.
2. war der Huf durch den Schmied lange Zeit "auf Stöckel" gestellt - was ebenfalls eine Sehnenverkürzung begünstigt haben kann
3. fußt Ravenna immer noch mit der äußeren Zehe zuerst auf - was eine Abnutzung der Trachten unmöglich macht.

Hier gibt es nun den entscheidenden Unterschied zwischen Natural Hoof Care und allen anderen Bearbeitungsmethoden:
Jede konventionelle Methode würde sagen: Der Huf steht zu steil - also mach ihn flacher!
NHC hingegen sagt: Die Sohle gibt an, wie der Huf bearbeitet werden muss. Und die Sohle hat sich in diesem Fall hinten stark erhöht - also "will" und muss der Huf momentan so steil sein.

Und der Erfolg gibt dieser Methode recht:

Bald wurden die Trachten wieder niedriger - im gleichen Maß, wie auch die Lahmheit weniger wurde und die Sehne gesünder...
Auf den folgenden Bildern - beide NACH der Bearbeitung - sieht man es deutlich:
Deutlich ist auch noch die Wandverbiegung im anderen Huf zu sehen, die nun hinunterwächst.

Ravenna geht es immer besser, ihre Lebensfreude ist zurückgekehrt und sie läuft bereits wieder richtig gut auf weichem Boden (Halle).

August 2010
Leider hatte Ravenna wieder einen Rückfall, sie lahmt nun wieder stärker auf dem betroffenen Bein recht vorne. Wahrscheinlich hat sie es übertrieben, als sie das letzte Mal in der Halle "rumgespackt" ist. Wir hatten angenommen, dass sie selbst aufpassen kann, und sich nicht mehr bewegt, als ihr gut tut. Das war wohl ein Irrtum.
Jetzt wird besonders darauf geachtet, dass sie sich viel aber nur langsam bewegt, die Bearbeitungsabstände regelmäßig sind und sie sich wieder auskurieren kann.
 
Der andere Huf hat inzwischen eine sehr gute Form angenommen, sie läuft auch pranktisch nicht mehr fühlig, hinten geht sie sauber - keine Anzeichen mehr von Artrose.

Auch im Gelände läuft sie nun schon zügig und schnell - man kommt kaum noch mit...
September 2010
Ravenna wird nun regelmäßig geritten, 2-3mal die Woche eine gute Stunde (wird langsam gesteigert) im Gelände. Es wird darauf geachtet, dass sie nur Schritt geht, möglichst immer in "Haltung", also mit aktiver Hinterhand.
Inzwischen scheint nur noch der Strahl auf der rechten Seite schmerzhaft zu sein. Nach etwa 20 min Reiten verbessert sich ihre deutliche Zehenfußung und sie fußt plan. Auf Wiese oder weichem Erdboden sogar mit den Trachten zuerst. Dann sieht man auch keinerlei Taktunreinheiten mehr.
Sie selbst ist sehr vorsichtig und besonnen und genießt die Ausritte sehr.

Es ist in dieser Phase besonders wichtig, dranzubleiben, viel Bewegung zu garantieren, die Ausritte langsam zu steigern und vor allem die leider immer noch leicht verpilzten Strahlpolster richtig zu kurieren.

Oktober 2010

Ravenna scheint keine Probleme mehr mit der Sehne zu haben. Wir sind bei 2,5 Stunden Ausritt angekommen, ab und zu wird langsam getrabt.
Die Fessel des "kranken Fußes" federt genauso weich durch, wie die andere. Sie geht meiner Meinung nur noch wegen dem Schmerzgedächtnis unklar - aus Gewohnheit sozusagen. Sie lässt das Gewicht beim Laufen betont auf die linke Schulter fallen, was man durch korrektes Reiten aber leicht abstellen kann.
Ravenna lahmt jetzt nur noch, wenn sie nicht warmgelaufen ist, oder wenn sie "schlampig läuft".
Also beim Führen vom Paddock in die Box und umgekehrt, sowie am Anfang eines Ausrittes.

Man darf hier jetzt nicht denken, dass ihr die Bewegung schlecht tut - weil sie ja lahmt - sondern muss unbedingt weitermachen.

Momentan hat sie immer noch den starken Bockhuf.
Ich richte mich nun weiterhin wie bisher an die Prinzipien der NHC - d.h. ich richte mich nach der Sohle.

Man sieht jetzt schon, dass diese sich im hinteren Bereich leicht zurückzieht.

Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis sich auch dieser Huf normalisiert hat - und endlich die bösen Blicke und Bemerkungen der Stallkollegen ein Ende haben...

Dies ist leider ein typischer Fall, wo eine eindeutige Heilung und Besserung von Außenstehenden nicht oder nur schwer bemerkt wird - und der Pferdebesitzer wirklich gute Nerven haben muss.

(Was hier zum Glück der Fall ist )

Hier nochmal neue Fotos im Vergleich...
 
   

Dezember 2010:

Ravenna geht es immer besser, sie wird nun eingefahren, damit sie was zu tun hat und hat sehr viel Spaß daran:



Februar 2011:
Ravenna lahmt fast garnicht mehr, sie geht auf normale Ausritte in jeder Gangart.
Sie braucht etwas länger, um warm zu werden, dann jedoch läuft sie auch auf einem längeren Ausflug (2-3 Stunden)  völlig taktklar und freudig mit starkem Gehwillen, Schwung und Lockerheit.

Sommer 2011:


Ravenna geht es immer besser. Sie wird nun regelmäßig geritten und trainiert. Das introvertierte und verschreckte Pferd, das ich kennengelernt habe, ist nun eine souveräne und glückliche Stute geworden, der auch Dressuraufgaben wieder Spaß machen...





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