naturhufe

Gehorsam und Dominanz

1. Grundregeln des Benehmens für das Freizeitpferd

Das ideale (Freizeit)-Pferd sollte folgende Dinge tun :
 
         Auf seinen Menschen Rücksicht nehmen,
         Seinen Menschen verstehen,
         Ihm in jeder Situation gehorchen,
         Aber auch selbstständig mitdenken,
         Und kreativ mitarbeiten, 
         Auf seinen Besitzer aufpassen,
         Sich freuen, wenn er kommt,
         Sich in seiner Gegenwart wohl fühlen,
         Seinen Menschen bedingungslos lieben und ihm vertrauen.
         Ruhig sein auf Ausritten, aber auch gern laufen, nicht triebig sein. Schrecksicher natürlich.
         Gern auch mal ein kleines Spaßturnier mitmachen, souverän natürlich.
         Bei kleinen Kindern, Hunden, Krach und Unruhe immer gelassen bleiben.
         Brav neben einem warten, während man noch ein wenig Quatschen möchte.
         Ein bisschen springen, ein bisschen Gelassenheit, etwas Gelände, ein wenig Dressur, vielleicht noch Zirkus, ... 

Natürlich könnte man jetzt die Punkte auf dieser Liste einzeln nacheinander mit seinem Pferd trainieren.
Das ist jedoch sehr aufwändig und meist nicht wirklich von allgemeinem Erfolg gekrönt.

Und dass Liebe nicht erzwingbar ist, hat sicher auch schon so mancher Mensch einmal erfahren. 

 
Es gibt jedoch eine Möglichkeit, alle genannten Ziele gemeinsam zu erreichen:

Wir müssen vom Pferd als kompetenter Ranghöherer akzeptiert werden.

Autoritätsverhalten der Pferde

 
Oft wird angenommen, dass Pferde nur zwei Möglichkeiten kennen: der eine bestimmt, was zu tun ist, der andere tut es. 
Jedoch gibt kaum ein Pferd dauernd nur Befehle. Oft geht es einfach "mit gutem Beispiel voran" oder macht einfach nur, was ihm grad in den Sinn kommt und versucht, andere zu animieren, mit zu machen.
Es ist weiterhin durchaus nicht so, dass es immer der Gleiche ist, der bestimmt, oder immer der andere, der folgt.
Hierbei wechseln sich die Pferde ständig ab, je nach Kompetenz und Laune.
Pferde können sich nicht untereinander beraten und zu einer gemeinsamen Lösung kommen wie wir Menschen.

Und wenn derjenige, der bisher in einer bestimmten Situation ranghöher war, in dieser Situation versagt, wird der Rangniedrigere entscheiden, dass er hier nun selber das Kommando übernehmen sollte.
 
Also stellt sich für uns nur die Frage, "Was macht einen guten Rangobersten (denn der wollen wir sein) aus?"
 
Wenn wir Pferde unter sich beobachten, stellen wir fest, dass der Herdenführer nicht nur Rechte sondern auch Pflichten hat, und dass er besondere Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringen muss.

Beim Füttern stellen wir fest, dass der Rangniedrigere dem Ranghöheren höflich aus dem Weg geht, und mit demütig zur Seite geklappten Ohren und gesenktem Kopf um Erlaubnis bittet, sich nähern zu dürfen.

Wenn wir nun mit zwei oder mehr Pferden zusammen ausreiten, und nebeneinander reiten wollen, beobachten wir, dass die Pferde nicht einfach nebeneinander hergehen, sondern miteinander kommunizieren:
Einige versuchen, nacheinander zu schnappen, andere liefern sich kleine Wettbewerbe nach dem Motto "Meine Nase ist weiter vorn als deine", einige wollen an anderen nicht vorbei, und so weiter...
Gehen sie jedoch hintereinander, sehen wir bei dem Vorderen meist gespitzte Ohren und wache Sinne, während die Hinteren am Schweifansatz des Vorderen "kleben", die Ohren unaufmerksam zur Seite fallen lassen, und entspannter sind.

Auch beim Überwinden von gefährlichen Hindernissen, wie einem Bahnübergang, einer engen Straße, einem Tunnel o.ä. ist es hilfreich, ein erfahrenes, ruhiges Tier vorausgehen zu lassen; dann verhalten sich auch die anderen Pferde  ruhiger.

Halten wir also fest, dass der Ranghohe u.a. folgende Pflichten hat:
 
       Erkennen von Gefahren
       Beschützen rangniedriger Pferde in gefährlichen Situationen,
       Anführen der Gruppe,
       Besorgen von Nahrung und Wasser,
       Bestimmen der Aktivitäten des Rangniedrigen,
       Allgemeine Sorge für das Wohlbefinden des Rangniedrigen,
       Treffen aller Entscheidungen, die die Gruppe als Ganzes angehen.

Daraus ergeben sich folgende Rechte:
 
       Der Ranghohe hat überallhin den Vortritt,
       sei es zum Futter,   
       oder durch eine Engstelle,
       er darf den Rangniedrigen von jedem Ort wegschicken,
       er entscheidet über Tempo und Richtung seiner Untergebenen,
       er verteilt die Aufgaben in der Herde (auch das Leittier hat mal Hunger oder muss schlafen. Dann übernimmt ein anderes die „Wache“).
 
Wir müssten also unsere Erfahrenheit in gewissen Situationen dem Pferd deutlich machen und immer selbstbewusst und souverän auftreten.
Außerdem muss sich das Pferd, was Futter und Ort seiner Unterbringung angeht, möglichst wohl fühlen, da es sonst die Fähigkeiten seines Menschen in Frage stellt und selber versucht, die Führerrolle an sich zu nehmen.
 
Viele Pferde tun dies durchaus nicht gerne, da sie durch diese Rolle eigentlich überfordert sind. Sie lassen das auch in vielen Situationen erkennen.
So zeigen sie meist ein übernervöses Verhalten beim Führen und Reiten, sind stürmisch, und schwer zu kontrollieren.
Ebenso neigen sie zum Scheuen und Durchgehen, auch ohne ersichtlichen Grund (Das berühmte "Gespenst" in der Ecke der Reitbahn!).
Beim Füttern oder Führen rennen sie den Menschen über den Haufen, da sie von ihm ein Ausweichen erwarten.

Andere sehen in dem Gebaren des ihrer Meinung nach rangniedrigeren Menschen keinerlei Grund, sich zu bewegen und scheinen extrem triebig, unsensibel und faul.
Zum Glück für uns Menschen kommt uns hier der extrem gutmütige Charakter der Pferde sehr entgegen, denn sie tun (in gewissem Rahmen) auch gerne mal einem Untergebenen einen Gefallen, um ihn bei Laune zu halten.

So erklärt es sich auch, dass oft schwierige (ranghohe) Pferde, die sich von ihrem Besitzer kaum bändigen lassen, von Kindern geritten und geführt werden können ohne sich, wie üblich, „aufzuführen“
Kinder beanspruchen nämlich nicht den höheren Rang, den ihnen das Pferd nicht zugestehen will, sondern nehmen meistens den Rang von Fohlen ein, die bei Pferden nahezu Narrenfreiheit genießen.
 
Erst wenn einem Ranghöheren der Rangniedrige nicht höflich genug ist, -  sei es aus Unaufmerksamkeit, oder Rebellion,  -  wird er vom "Chef" zurechtgewiesen.

Je nach Situation ist das eine "böse Grimasse" (Ohren anlegen, Zähne fletschen), ein zugekehrter Kruppe, erhobener Fuß, bei Stuten oft ein "Quietschen" bei hochgerissenem Kopf (das wirkt u.a. auch "kokett"), oder wirklich eine körperliche Zurechtweisung, die von Wegdrängen, Schnappen und Beißen bis zur Schlägerei ausarten kann.
 
Der Zurechtgewiesene wird nun entweder schnellstens der vorher ignorierten Aufforderung nachkommen, mit Demutsgesten (seitlichem Ausweichen, Ohren zur Seite, Kopf tief,...) um Verzeihung bitten, oder aufbegehren.
 
Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Pferde eigentlich immer bestrebt sind, in der Rangordnung aufzusteigen, auch wenn sie nicht die Absicht haben, Rangoberster zu werden.
Das hat auch etwas mit dem Bedürfnis aller sozial lebender Lebewesen zu tun, Aufmerksamkeit und Anerkennung der Gruppenmitglieder zu erhalten.
 
Hierbei gehen Hengste, Wallache und Stuten deutlich unterschiedlich vor:
 
Hengste stellen eindeutig und unmissverständlich ihre Absicht zur Herausforderung dar. Sie beobachten ihren Chef sehr genau, lauern eine Zeitlang auf Schwachstellen und legen es dann auf ein offenes "Gefecht" an.
Werden sie jedoch dabei besiegt, akzeptieren sie wieder für längere Zeit ihre Untergebenheit.
 
Wallache benehmen sich ähnlich, haben aber in der Regel keine Lust, ernsthaft etwas abzubekommen. Ihr Verhalten ähnelt mehr den Spielen der Halbwüchsigen, und artet nur selten in ernstere Prügeleien aus.
 
Stuten hingegen fordern höchst selten einen Ranghöheren offen heraus.
Sie ziehen es vor, mit Zärtlichkeit und "Unschuldsmine" den Ranghöheren dazu zu bringen, ihnen mehr zu erlauben, als ihnen zustehen würde, und so unbemerkt in der Rangordnung nach oben zu wandern.
Wenn der Ranghöhere es dann merkt, ist es oft schon zu spät, und er hat deutlich an Ansehen verloren, das er sich dann mühsam wieder holen muss.

3. Wie werde ich der Chef meines Pferdes?

Nehmen wir einmal die Beziehung von uns zu unserem Pferd unter die Lupe:
Die erste Frage sollte heißen:  "Bin ich von uns der Ranghöhere?"
Es ist nämlich - entgegen der Annahme der allermeisten Pferdebesitzer - nicht selbstverständlich, dass Pferde die Menschen als ranghöher ansehen!
 
Um das herauszubekommen, gibt es einige einfache Versuche:
 
- Weicht mein Pferd auf sanfte Signale (Schnalzen oder Stimmsignal, Antippen mit der Hand, dem Finger oder einem beliebigen neutralen Gegenstand) nach allen Seiten hin aus?
- sucht mein Pferd meine Nähe, sobald ich komme?
-  Ist mein Pferd in meiner Gegenwart eher ruhig und ausgeglichen?
-  legt sich mein Pferd in meiner unmittelbaren Nähe hin?
-  steht es in Ruhe (nicht hektisch) auf, wenn ich komme?
- Kann ich mein Pferd ohne "herumzuhampeln" (auch vom Futter!) wegschicken?
- Folgt mein Pferd mir nach, wenn ich es locke?
- reagiert mein Pferd willig und schnell auf einfache Aufforderungen meinerseits (auch im Fall ungeliebter Aufgaben)?
- lässt sich mein Pferd in allen Situationen von mir beruhigen und ist beherrschbar?
 
Haben Sie alle Fragen ohne zu zögern mit einem eindeutigen "Natürlich!" beantwortet, ist die Rangordnung zu Ihrem Gunsten gesichert.
Sollte jedoch bei diesen Versuchen nur mit zwei zugedrückten Augen und viel Glück die Mehrzahl mit "Ja, meistens" zu beantworten sein, haben wir ein kleines Problem mit der Rangordnung.
Gibt es jedoch sogar mehrere deutliche "Nein´s“, besteht akuter Handlungsbedarf !
 
Natürlich können wir in so einem Fall nicht einfach unser Pferd zu einem (fairen) Zweikampf herausfordern, und mal schnell unterwerfen, da dieser für uns wahrscheinlich tödlich enden würde.

Und ein mit "unfairen" Mitteln (Peitschen, Sporen, scharfe Gebisse) erzwungener Gehorsam ist auch nicht gerade dazu geeignet, unserem Pferd unsere Führungsqualitäten klarzumachen!
Auch wird ein seit Jahren ranghöheres Pferd nicht von heute auf morgen einsehen, dass der komische, immer schon rangniedrige Zweibeiner plötzlich ein guter Chef geworden sein soll -  wenn wir ihm nicht ganz gewichtige Gründe dafür geben können.
 
Insofern hat es ein Mensch, der mit diesem Pferd erst wenig oder gar nicht zu tun hatte (neuer Besitzer, Trainer, Reitlehrer), natürlich leichter, denn er kann von Anfang an auf einer ranghohen Position bestehen.
 
Wenn man jedoch nach Wochen, Monaten oder gar Jahren endlich einmal etwas an seiner Position ändern will, empfiehlt es sich der Einfachheit wegen, die Hilfe einer dritten Person in Anspruch zu nehmen.

Hier kommt uns der Umstand zugute, dass Fohlen einer ranghohen Mutter meist automatisch selbst einmal ranghohe Tiere werden, da sie unter ihrem besonderem Schutz stehen.
Sobald also eine dritte Person (Trainer,...) dann bei diesem Pferd ihren Anspruch auf eine rangobere Position gefestigt hat, und der bisher rangniedrige Besitzer z.B. in einem Kurs die nötige Sicherheit erlangt hat, führt der Trainer, etc. den Besitzer beim Pferd als "neu" ein, und besteht darauf, dass das Pferd dem Besitzer nun den gleichen Respekt entgegenbringt wie ihm selbst.
 
Besteht diese Möglichkeit nicht, hat jeder noch rangniedrigere Besitzer die Chance, langsam im Ansehen seines Pferdes aufzusteigen, wenn er sich im Umgang mit diesem immer sicherer wird, und nach und nach die Führung übernimmt.
Während dieser „Machtübernahme“ wird es hin und wieder zu kleinen Auseinandersetzungen kommen, die Sie jedoch nicht abschrecken sollten. Ihr Pferd wird Sie immer dann auf die Probe stellen, wenn Sie ihm als ernstzunehmender Gegner erscheinen. Bleiben Sie dann standhaft und geben Sie nicht nach.

Es ist z.B. möglich, dass Sie sich entschieden haben, das korrekte Führen zu üben, und Ihr Pferd plötzlich wie angewurzelt stehen bleibt, weil Sie ihm seine üblichen Mätzchen nicht erlauben. Lassen Sie nicht zu, dass es etwa zu fressen beginnt, Sie über den Haufen rennt oder umkehrt und bringen Sie viel Zeit und Geduld mit – irgendwann wird Ihr Pferd in die von Ihnen gewünschte Richtung gehen.

Eine zwar verständliche, fürs Pferd angenehme und weit verbreitete Reaktion wäre, jetzt in auffälliges Lob und überschwängliche Freude zu verfallen.
Machen Sie diesen Fehler nicht!
Diese Reaktion ist angebracht, wenn es sich um eine (verständnismäßig oder kraftmäßig) schwierige Übung handelt, aber nicht, wenn es sich um so einfache Dinge wie Führen lassen, dem Menschen ausweichen oder einfaches Stehenbleiben handelt.

Freut man sich nämlich überschwänglich über "Selbstverständlichkeiten", wertet man diese auf. Nur ein Rangniedriger freut sich darüber, wenn Dinge, die ihm nicht zustehen, einmal gewährt werden. Der Chef sieht sie als selbstverständlich an - was sie auch für uns sein sollten.

Die richtige Reaktion ist also maximal ein zufriedenes Ausatmen, Entspannen und Weitermachen in der begonnenen Handlung.

Ab jetzt ist diese Sache geklärt. Bestehen Sie auf unbedingte Einhaltung, denn alles andere wäre ein Rückschritt!
 
Jetzt kommen wir zu der zentralen Frage, was wir tun müssen, um von einem Pferd als guter  Chef betrachtet zu werden.
Pferde sind Gewohnheitstiere. Sie legen enormen Wert auf Berechenbarkeit und Konsequenz ihres Chefs.
Und wie schon oben beschrieben, beobachten sie ihren Menschen genau, und "lesen" in seinem Verhalten alles ab, was wir Menschen mit Worten regeln.
Persönliche Tagesstimmung, Gesundheitszustand, und ebenso auch den Anspruch auf die jeweilige Rangposition leiten Pferde - wie auch andere soziale Lebewesen - aus dem Verhalten ihres Gegenübers ab.

Und es sind oft die körpersprachlichen Signale, die auf die Position schließen lassen.
Gestatten Sie z.B. ihrem Pferd, sich an Ihnen zu reiben, kann es das als Unterwerfung Ihrerseits missverstehen.
Genau dasselbe wird auch passieren, wenn Sie Ihrem kuscheligen Stutchen einfach nicht böse sein können, und ihm zuviel durchgehen lassen (Drängeln, penetrantes Betteln,...).
 
1. Reiben am Menschen
Wenn Menschen ihre Zuneigung ausdrücken, reiben sie dem anderen die Schulter, den Rücken oder auch die Wange. Darum empfinden wir es als "lieb", wenn ein Pferd sich an uns reibt (falls es nicht zu stürmisch ist und weh tut).
Pferde kennen diese Geste jedoch nicht.
Wenn sie sich an etwas oder jemandem reiben, dann ist das keine Zuneigung, sondern "Benutzen als Kratzbaum".
Wenn sich also Ihr Pferd an Ihnen reiben will, ist es eine Respektlosigkeit.

Drehen Sie den Spieß einfach um, vergessen Sie die Leute um sich herum (denn die werden Sie ab heute seltsam anschauen), und reiben Sie ebenso Ihren Körper (Schulter, Rücken, oder Po) an Ihrem Pferd (und zwar kräftig!). So, dass Ihr Pferd möglichst ein bisschen geschubst wird.
Machen Sie das jedes Mal, wenn Ihr Pferd nicht auf  ein leises Zischen oder "Nein" sofort aufhört, sich an Ihnen zu reiben.

Wenn Sie Ihrem Pferd trotzdem etwas Gutes tun wollen, und es Ihnen leid tut, ihm das sooo angenehme Scheuern zu verbieten, bieten Sie ihm an, es an seinen Lieblingsstellen zu kratzen oder zu kraulen. Seien Sie hierbei (je nach Körperzone) ruhig etwas deftiger, denn Pferde bearbeiten sich untereinander sogar mit den Zähnen!
DAS ist wiederrum eine Geste der Zuneigung!

Übrigens: Wenn man das Pferd putzt, ist das etwa so, als würde man sich an ihm rubbeln und es knabbern. Das Pferd sollte dies genießen und geschehen lassen, denn es ist eine Zuneigung des Ranghöheren.
Natürlich kann es Pferde geben, die einzelne Stellen als unangenehm empfinden, kitzlich sind o.ä., aber im Großen und Ganzen solltes es das Putzen genießen, sonst muss man sich überlegen, was nicht stimmt...
 
2. Betteln
Quittieren Sie JEDES Betteln mit Wegdrehen oder sogar Weggehen!
Reicht das nicht, kann man auch mal mit der Hand oder einem Strick um sich wedeln, wie wenn man Fliegen wegscheuchen will. Wenn das Pferd nun die Nase in diesen "Wedelbereich" steckt, und eine drauf bekommt, ist es selbst schuld.
Niemals sollte man hingegen geziehlt nach der Nase oder dem Kopf des Pferdes schlagen!

Verbieten wir dem Pferd komplett, sein Interesse an dem Leckerli zu zeigen, ist es jedoch eine Beschneidung seiner Kommunikationsbedürfnisse.
Es empfiehlt sich also, dem Pferd seine Meinungsfreiheit zu lassen, sie jedoch in Bahnen zu lenken, die angenehm und ungefährlich sind.

Ich selbst bringe meinen Pferden also bei, ihre Wünsche durch dezente und "süße" Übungen auszudrücken.
Zum Beispiel Rückwärtsgehen, Kopf an die Brust klappen, flehmen oder ähnlich.

3. Fressen
Auch auf der fettesten Wiese steht es allein dem Ranghöchsten zu, das Signal zum Fressen zu geben. Das ranghöchste Pferd tut dies, indem es selbst den Kopf senkt und zu fressen beginnt.

Das können wir natürlich nicht machen; darum nutzen wir die Intelligenz unseres Pferdes, und bringen ihm ein Stimmkommando oder körpersprachliches Signal bei.
Das könnte ein Wort wie "Friss!" sein, eine zwischen den Ohren aufgelegte Hand, ein Streichen über den Mähnenkamm, oder auch Bücken, Gras ausrupfen, o.ä..
Sie können auch einfach das Pferd aus Ihrem Befehl entlassen, indem Sie es wegschicken, sich umdrehen und ein Stück weggehen.

Ein Beenden muss ebenfalls möglich sein. Hiefür benutze ich einen treibenden Laut. Schnalzen oder "tz tz tz" wie wenn man eine Katze anlockt. Daraufhin muss das Pferd seinen Kopf vom Futter entfernen, egal, ob es das Kraftfutter oder Müsli im Futtertrog ist, oder das Gras auf der Weide.
WICHTIG! Damit Ihr Pferd Ihnen in Bezug auf Futter die ranghöchste Position einräumt, müssen Sie UNBEDINGT konsequent alle Überschreitungen unterbinden!!
 
4. Führen
Beim Führen achten Sie darauf, dass der Führstrick die meiste Zeit in einer Länge von ca. zwanzig bis dreißig Zentimeter durchhängt, und Sie das Pferd nicht berühren.
Auch zum Anhalten oder Beschleunigen sollte der Strick höchsten für Sekunden-Bruchteile straff sein - besser ist es, sie brauchen ihn garnicht.
Durch nach-vorne-nehmen der inneren Schulter mit Hand und evtl. Gerte und das Kommando "Steh!" (o.ä.) allein muss das Pferd aus jeder Gangart anzuhalten sein.
 
Weisen Sie Ihr Pferd beim Führen in seine Schranken, indem sie es immer dann ein paar (zwei bis vier , nicht mehr!) Schritte rückwärts gehen lassen, wenn es auf Ihr Kommando nicht sofort anhält, Sie überholen will, Sie bedrängt, oder Sie gar hinterher schleifen will!
Sollte sich hingegen das Pferd hinterher schleifen lassen, ist das auch Ungehorsam, dem Sie am besten mit einer hinter Ihrem Rücken an das Pferd gehaltenen Gerte vorbeugen.

Übrigens: Ein "Schulterblick" in Richtung Pferd ist unter Pferden eine Warnung. Schauen Sie also nicht nach hinten, ob das Pferd auch kommt, da es das als "Halt Abstand!" missverstehen kann.
Man sollte lernen, am Geräusch und Gefühl zu erkennen, ob das Pferd folgt.

5. Rückwärts
Um einem Pferd das Rückwärtsrichten nahe zubringen, pieken Sie mit einem Finger in die Grube, die es vorne an der Brust hat, wo die Speiseröhre in den Brustmuskeln "verschwindet", oder an den Bug - die knochige Stelle, wo die "Schulter" vorne zu spüren ist, und geben ein deutliches Stimmkommando.
Lassen Sie nicht zu, dass sich das Pferd "durchschummelt" oder entzieht, indem es anfängt, mit Ihnen zu kuscheln, abzulenken, den Kopf zwischen Sie und seine Brust zu bringen  oder gar seitlich an Ihnen vorbeizulaufen.

Sobald es Folge leistet, ist es wichtig, damit aufzuhören, und es zu loben (Stimme, streicheln, aber keine Leckerlis füttern!).
Bald wird es reichen, den Finger nur in seine Richtung zu strecken, und das Stimmkommando zu geben.
 
Das Rückwärtsrichten ist nun eine der besten Methoden, das Pferd in seine Schranken zu weisen, wenn es einen in irgend einer Weise nicht gebührend respektiert, da Rückwärtsgehen bei Pferden eine Demutsgeste ist.
Dies sollte jedoch niemals "wütend" oder heftig passieren.
Es soll auch nie so aussehen, dass das Pferd mit weißem Ring um die Augen und hochgehaltenem Kopf ängstlich rückwärts geht.
In diesem Moment zeigt das Pferd, dass es überfordert ist und Angst bekommt.
So kann es nicht lernen, und das Rückwärtsgehen auch nicht mit dem vorherigen "Fehler" verknüpfen.


 
Vielleicht erscheinen Ihnen diese Vorschläge ein wenig hart, und Sie stellen sich gerade die Frage:
 "Muss ich überhaupt der Chef von meinem Pferd sein? Bin ich überhaupt berechtigt, einem anderen Lebewesen immer vorzuschreiben, was es tun soll? Ich liebe doch mein Pferd und will es nicht ständig herumkommandieren!"
 
Um das zu beantworten, denken Sie an die Situationen, in denen Ihr Pferd sich selbst durch sein Verhalten gefährdet:
Nehmen wir einen extremen Fall an, der jedem passieren kann: Das Pferd hat sich verletzt oder ist erkrankt und muss schnellstmöglichst in die Klinik gefahren werden.

Ihr sonst verladefrommes Pferd ist durch seinen Zustand und Ihre aufgeregte Besorgnis verunsichert und gehorcht Ihnen nicht. Es vertraut Ihnen weniger als sich selbst und geht nicht in den Hänger.
Ob Sie nun Ihrem Pferd gut zureden oder andere Maßnahmen ergreifen: -  mindestens verlieren Sie wertvolle Zeit und Ihr Pferd nimmt evtl. großen Schaden.
 
Aber wir müssen nicht einmal von Extremfällen ausgehen. Es reicht, dass Ihr normalerweise braves Pferd beim Ausritt plötzlich das Kommando übernimmt, kehrt macht und den ganzen Heimweg im Galopp zurücklegt.

Wenn das Steppenwesen Pferd in unserer zivilisierten Welt ohne kompetente Führung unterwegs ist, tragen Sie für alle Folgen die Verantwortung!
 
Doch andererseits kann ich Sie beruhigen:

Ein guter Chef kommandiert keineswegs seine Untergebenen fortwährend herum.

Er hat vielmehr dafür zu sorgen, dass es allen gut geht, und dass seine Schutzbefohlenen bestmöglichst gefördert und versorgt werden.
 
Wenn Sie die Position des Chefs innehaben, können Sie auch jederzeit einem Untergebenen das Entscheiden überlassen. Und (nur) wenn Ihnen die getroffene Entscheidung nicht zusagt, übernehmen Sie ohne Diskussionen wieder die Führung.
 
Außerdem können Sie einem Pferd, das Sie als Ranghöheren eindeutig akzeptiert hat, viel mehr Freiheiten einräumen, als einem, bei dem Sie nicht sicher sind, ob es wirklich unbedingt gehorcht.

So werden Sie einen Hund, der Ihnen nicht gehorcht, zu seinem eigenen Schutz (und dem der Hasen) immer an der Leine halten müssen.
Den Hund, dessen sofortiger Gehorsam Ihnen sicher ist, werden Sie hingegen frei laufen lassen können.

Das Gleiche gilt ja auch für das Pferd: 
Eines, dessen Nase kaum noch aus dem Gras zu bekommen ist, wenn sie erst mal drinsteckt, wird man unterwegs nicht grasen lassen.
Das Pferd, das jedoch auf ein leises Kommando hin sofort wieder aufmerksam ist, und niemals mit "Gewalt" den Zügel nach vorne reißt, um zu fressen, wird viel öfter die Gelegenheit bekommen können, eine Zwischenmahlzeit einzulegen, wenn es die Situation erlaubt.

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