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Strahlfäule und Strahlpilz

Strahlfäule und Strahlpilz

Viele Pferde haben Strahlfäule und/oder Strahlpilz.
Noch viel mehr Pferde haben diese beiden Krankheiten unerkannt.
Einer Schätzung zufolge leiden etwa 87% unserer Hauspferde mindestens zeitweise mehr oder minder darunter.

Strahlfäule
Leicht erkennt man, dass etwas nicht stimmt, wenn der Huf beim Auskratzen eklig stinkt, matschige, schwarze Strahlsubstanz absondert, einen tief gefurchten, zerfutzelten Strahl hat, der sich in Schichten, Fetzen und Furchen auflöst.
Oft verursacht durch schlechte Stallhygiene, mangelnde Hufpflege, Stehen in Mist und uringtränkter Einstreu, permanenter Nässe auf mistdurchsetzten Matschkoppeln oder ähnliches.

Aber nicht nur dann, wenn es offensichtlich ist, liegt ein Problem vor.

Gefährlich, weil leicht zu übersehen ist Strahlfäule an trockenen Hufen mit genügend Abrieb.Die Bakterien sind trotzdem vorhanden und zersetzen nach und nach den Strahl bis nichts mehr da ist.
Matschige, weiche, zersetzte Strahlsubstanz, die durch Gestank oder Farbe und Konsistenz auf sich aufmerksam machen würde, wird permanent abgenutzt, so dass man es nicht merkt.

Nach und nach wird der (immer noch sauber aussehende) Strahl jedoch immer weniger, das Pferd leidet an Schmerzen in der Ballengegend, entlastet diese, die Hufe verformen sich, ... und man erkennt nicht, woran es liegt, dass das Pferd immer fühliger wird und schlechtere Hufe bekommt.

Tierärzte und auch Hufschmiede erkennen diese verdeckte Strahlfäule meist nicht, raten zu Strahlfestigern, Hufölen und ähnlichem, was die Bakterien nur schön einschließt und in ihrer zerstörerischen Tätigkeit unterstützt.

Schlussendlich wird auf den empfindlich gewordenen Huf ein Eisen geschlagen, die Durchblutung stark eingeschränkt, die Beweglichkeit des Hufes verhindert.
Dies gibt dem Pferd eine sofortige Erleichterung, da das geschädigte Gewebe ruhiggestellt wird und das Gefühl im Huf abnimmt.

Man denkt, man hat das Problem behoben...

Was ist jedoch wirklich der Fall?
Die Strahlfäulebakterien sind weiterhin vorhanden. Jetzt, wo der Strahl durch das Eisen noch enger wird, noch weniger belastet und schlechter durchblutet wird, geht es erst richtig los. Das Pferd merkt es nur nicht mehr so akut, da der Strahl nicht mehr belastet und bewegt wird und die Durchblutung - und damit die Empfindsamkeit der Nerven - stark abnimmt, sobald ein Eisen drauf ist.

Strahlpilz

Dieser ist wesentlich unscheinbarer, kann aber mindestens genauso schlimme Folgen haben.
Er ist hierzulande noch recht unbekannt, kaum in einem Buch für Laien zu finden und nur wenige Hufschmiede erkennen ihn.
Dabei ist er eigentlich garnicht zu übersehen.
Er sitzt meist vorwiegend in der mittleren Strahlfurche, die dann sehr schmal und tief wird. Sie wirkt, wie mit einem Messer eingeschnitten.
Es bilden sich am ballenseitigen Ende meist ein kleines schuppiges Grübchen.

Seine direkten Folgen sind denen der Strahlfäule recht ähnlich:
Das Pferd empfindet Schmerzen in der Ballengegend, entlastet diese, was zu Fühligkeit, Zehenfußung und dadurch zu verformten länglichen und flachen Hufen oder auch zu überlangen Trachten, Trachtenzwang und Bockhufen führt.
Auch hier wird oft mit Beschlag therapiert, was dem Pferd erst einmal Erleichterung bringt, weil der befallene Bereich vom Boden fern gehalten und ruhiggestellt wird.
Im Endeffekt ist es aber auch hier wieder nur ein Symptom, das verdeckt wird, denn die Ursache - der Pilzbefall - bleibt bestehen.

Strahlpilz kann leicht auch durch die Hornschicht ins Innere des Hufes eindringen, und dort das Strahlkissen zerstören.
Wenn er dann die Sehnen befällt, die im Hufesinneren liegen, ist es für das Pferd zu spät.

Behandlung:

Beides, Strahlpilz und Strahlfäule kann nicht durch Eisenbeschlag kuriert werden!

Wichtig ist vor allem eine gute Stallhygiene, viel Bewegung und ein ansonsten immunstarkes Pferd.
Aber selbst das ist keine Garantie, wie ich aus eigener Erfahrung weiss...

Es gibt jedoch eine Menge Möglichkeiten, diese bösartigen Parasiten zu bekämpfen:
Zuerst muss natürlich der zerfutzelte Strahl von Taschen und Fetzen befreit werden.
Danach wird er desinfiziert.
Ein relativ gutes Mittel ist - weil billig, rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen, und einfach anzuwenden - der 10%ige Jodoformäther.
Dieser wird mit einer Einwegspritze auf die Unterseite des Hufes getropft, bis er sich in alle Ecken und Winkel eingesaugt hat.

Eine Weile lang habe ich Borax empfohlen, doch das bekommt man nicht mehr so leicht in der richtigen Qualität. Seitdem ist mein absoluter Favorit "Halamid" - eine Chlorverbindung mit vielen Vorteilen und (bisher kenne ich noch keine) ohne Nachteile. Es ist relativ billig, haltbar, nicht so giftig wie die meisten anderen Sachen, ....

Alternativ hilft auch Wasserstoffperoxid, Solution4feet, Jodogel (etwas schwächere Wirkung), eine Mischung aus 50% Zinkoxyd+5% Zinkchlorid und 45% destilliertem Wasser, Zahnpasta, Kolloidales Silberwasser, Fungizide Creme, Essigwasser, ...
Allgemein kann man sagen: Alles was gegen Pilze und Bakterien hilft, und das Gewebe des Hufes nicht zu sehr reizt oder gar zerstört, ist gut.
Damit der Strahl nicht zu trocken und dadurch brüchig oder rissig wird, was diese Mittel gerne verursachen, hat sich Heilerde extrem gut bewährt.
Die Pferde lieben es, wenn man ihre Hufe damit einstreicht. Auch kitzlige Pferde halten dann ganz ruhig. Es scheint sehr angenehm zu sein.
Außerdem hilft es dem Strahl, abzuheilen.
Meine Kunden tragen es direkt nach dem Austrocknen des Jodoformether auf. Das erzielt erstaunliche Erfolge auch bei hartnäckigen Fällen.
Schön gleichmäßig verteilen, darauf achten, dass auch in alle Ritzen gut was reinkommt. Sollten die Strahlfurchen so eng sein, dass man mit dem Finger nicht reinkommt, kann man auch ein Wattestäbchen benutzen.
Die Schicht muss nicht sehr dick sein, aber sie sollte gleichmäßig alle befallenen Stellen abdecken.
Man kann auch die gesamte Hufunterseite bestreichen.

Es hilft übrigens auch gegen kleine Krusten in der Fesselbeuge und zur Unterstützung einer Maukebehandlung.

Fertig. Man muss nicht unbedingt den Fuß oben halten, bis es abgetrocknet ist, aber es wäre gut, wenn man ihn nicht ins Nasse stellt.
Am besten ist natürlich eine trockene, harte und ebene Fläche, Betonboden zB.
Die Heilerde soll vor allem nicht sofort durch nasses Gras oder Schlamm wieder "abgewaschen" werden.

Man bekommt die Heilerde in sehr praktischen Tuben in jedem normal sortierten Drogeriemarkt.

Alternativ hat sich auch Buchenholzteer (Hufteer) bewährt.

Mehr Beispiele:


Einmal vor der Behandlung, und dann knap 2 Monate später. Es wurde mit Borax-Sprühlösung, einem speziellen Öl und einer Heilerde-Strahllotion behandelt. Das Öl und die Strahllotion bekommt man hier -> *klick*

nochmal Strahlpilz:



und nochmal:


man kann richtig tief rein in diese Furche:








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